Essays

 
Vorwort Top

Die hier von mir erstellten Essays spiegeln meine persönliche Meinung und meine hier gesammelten Erfahrungen wieder. Sie müssen sich weder mit den Meinungen/Erfahrungen anderer Austauschschüler (z.B. denen, die ein Jahr hier verbracht haben) decken, noch gelten sie für die ganze USA. Auch masse ich es mir nicht an, immer "Recht" zu haben. Es ist also gut möglich, dass manche Dinge "so nicht stimmen" mögen, wie ich sie beschreibe. Aber es handelt sich hierbei um den von mir hier in Wisconsin gewonnen Eindruck und meiner daraus resultierenden Meinung.
Die angesprochen Themen sind in keiner bestimmten Weise sortiert. :)

 

Amerikaner und die Umwelt Top

Generell kann man wohl sagen, dass "Die Grünen" in Deutschland wohl vollkommen verzweifeln dürften, wenn man sieht wie die Amerikaner im Allgemeinen mit der Umwelt und dem Thema "Umweltschutz" umgehen. Zwar findet man in der letzten Zeit erste Ansätze in einigen Institutionen... zum Beispiel wird im College welches ich besuchte nun der Müll getrennt gesammelt, doch im generellen ist dieses Thema dem Grossteil der Amerikaner scheinbar egal.
Das beginnt zum Beispiel damit, dass alte und verbrauchte Batterien nicht gesammelt und entsorgt werden, sondern dass man sie einfach in den normalen Hausmüll wirft, wo sie dann auf der Deponie landen und irgendwann vielleicht einmal verbrannt werden.
In den vielen Fast Food Ketten, die es hier zahlreicher gibt, als in Deutschland Kneipen und Lokale zusammengenommen, wird für Getränke zum Beispiel sehr gerne der in Deutschland schon lange nicht mehr verwendete aufgeschäumte (was sonst?) "Schaumstoff" und Plastik verwendet. Dieser isoliert zwar gut vor dem kochendheißen Wasser mit Kaffeearoma, ist aber für die Natur alles andere als toll. Insbesondere weil hier praktisch nichts recycelt wird, sondern alles in einem großen Müllbeutel landet. Auch fehlt den meisten hier scheinbar total das "Feeling" für das Wiederverwerten bestimmter Materialien. Während man in Deutschland von alten Schuhen und Kleidern, über Batterien, Papier, Glas, Kunststoffen und Metallen so ziemlich alles getrennt sammelt, landet hier alles im großen Müllbeutel. Das beste Beispiel dafür gab es für mich an einem Abend, an dem wir in der kompletten Austauschgruppe mit mehreren Gastfamilien auf einer Ranch gemeinsam grillten, und vom Plastikgeschirr über die Flaschenverschlüsse bis hin zu den Batterien einer leeren Digitalkamera einfach alles ins Lagerfeuer geworfen und verbrannt wurde... während man zeitgleich über dem Feuer die Lebensmittel grillte... Guten Appetit!
Das nächste Beispiel wäre hier das Haus einer Gastfamilie, abseits im Wald. Da hier der Anschluss für fließendes Wasser aufgrund der Hauslage fehlte, bezog das Haus seine Wasservorräte aus einem Brunnen mit Pumpe auf dem Grundstück. (Aufbereitet wird das Wasser vor dem Gebrauch mit einer dicken Ladung Chlor, so dass egal ob man damit Kartoffeln oder einen Kaffee kocht, alles nach Chlor schmeckt... besonders die hierzulande überaus beliebten Eiswürfel sind reine Chlorbomben). Würde man nun meinen, dass man mit dem Grundwasser sorgsam umgeht, so findet man sich in Form des Familienautos, welches auf der Wiese neben dem Brunnen mehrfach mit "Superreinigern, die sogar Rost abwaschen" eingeseift wird und anschließend einfach abgespült wird, ziemlich enttauscht. So gelangen all die leckeren Chemikalien des Autoputzes nicht nur ins dortige Grundwasser, sondern auch ins eigene Trinkwasser... Prost!
Weiter geht es dann mit der gewaltigen Verschwendung von Rohstoffen. Sei es bei den Autos, die teilweise fast 30 Liter auf 100km an Benzin fressen. (Was in den letzen Jahren aber durch "ausländische" Autos besser wurde) Oder in den Supermärkten, wo einem an der Kasse fast jeder Artikel den man gekauft hat einzeln in Plastiktaschen verpackt wird.
Auch die Industrie geht nicht gerade sorgsam mit der Umwelt um, werden doch die meisten Abwässer nach deutschen Richtlinien nahezu ungeklärt in die Flüsse gepumpt. So wird es zum Beispiel hier nicht empfohlen im "Fox River" zu schwimmen, da man dabei zuviel Wasser schlucken könnte. Fische, welche hier gerne gefangen werden, da es ein sehr beliebter Sport ist, sollte man auch lieber nicht zu häufig essen. Eine der befreundeten Familien hier, welche eine eigene Ranch in Door County hat, meinte man solle besser nicht öfter als einmal in der Woche einen kleinen Fisch aus den angrenzenden Gewässern essen. Das würde sonst nur schädlich sein...
Seltsam, dass manche Amerikaner die Folgen ihres Tuns zumindest teilweise sehen, aber nicht im geringsten etwas dagegen unternehmen wollen.
Wenn der Umweltschutz also im großen und ganzen bisher noch nicht wirklich auf Verständnis trifft, muss ich aber auch hinzufügen, dass einige Leute (Eine Familie von allen mit denen ich Kontakt hatte) immerhin Metalle und Papier getrennt sammelt...

Das Auto, der Amerikaner liebstes Kind Top

Das Auto ist in den USA eindeutig das wichtigste Verkehrsmittel. Vielleicht mögen einige Großstädte hier Ausnahmen bilden, aber generell ist man ohne ein Auto in den USA regelrecht aufgeschmissen.

Zum einen gibt es fast nirgendwo öffentliche Verkehrsmittel um in der Stadt (Ausnahme Großstädte) vorwärts zu kommen, zum anderen ist praktisch alles auf Autos abgestimmt. Aufgrund der im Verhältnis zu Deutschland riesigen Landfläche und gleichzeitig dünner Bevölkerungsdichte, gibt es eigentlich überall breite Straßen und an jedem noch so kleinen Laden ausreichend Parkfläche.

So gut wie alle Fast Food Ketten, die in den USA sehr beliebt sind, haben ein Drive Through, ebenso wie z.B. Banken.

Damit gibt es fast keine Orte oder Dinge, die man nicht bequem mit oder vom Auto aus erledigen könnte.

Gleichzeitig erstrecken sich Städte, die man mit einer deutschen Stadt mit der gleichen Anzahl von Einwohnern vergleichen würde, über ein Vielfaches der Landfläche aus. Auch an Parkplätzen mangelt es außerhalb der Großstädte nirgends. Jeder noch so kleine Shop bietet normal mehr Parkplätze als benötigt an. Bei uns setzt sich dieser Trend, wohl aus Platz und damit vor allem Kostengründen erst seit ein paar Jahren in kleineren Städten durch, die noch genug Raum bieten. (Zumindest in meinem Ort schossen in den letzten Jahren kleinere Märkte wie "Aldi", "HL", "Penny Markt" und "Edeka Center" wie Pilze aus dem Boden. Alle mit massig Parkplätzen, ähnlich wie in den USA).

Auch ist das Verständnis der Amerikaner zu ihrem Auto ein anderes. Vielstündige Autofahrten zum Einkaufen oder Besuchen von Freunden sind hier normal. In Deutschland dagegen ist den meisten eine Fahrt von zwei Stunden schon viel zu weit. Die Straßen der Amerikaner sind aber auch meistens recht gut ausgebaut, d.h. breiter und mehrspurig. Ein Highway hat oftmals 3 Spuren, in dichtbesiedelten Gebieten auch mehr. Die Straßen verlaufen meistens geradeaus, und da auf den Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 55 bis 65 mph herrscht, sich die meisten daran auch halten, ist es viel weniger Stress dort längere Strecken zu fahren. Allerdings sollte man dabei nicht unbedingt müde sein... denn das monotone Fahren schläfert einen doch sehr schnell ein.

Den Führerschein kann man in den USA bereits mit 16 Jahren machen, was jedoch auch nötig ist, damit die Jugendlichen ihre Schulen oder Arbeitsplätze für Nebenjobs überhaupt erreichen können. Das Auto ist für sie auch praktisch die einzige Möglichkeit, etwas Selbstständigkeit und Mobilität zu erreichen. Ohne S-Bahn, Bus, U-Bahn oder Zug währen sie sonst auf die ständige Hilfe der Eltern angewiesen. So ist es, die Finanzmittel vorausgesetzt, keine Seltenheit, dass eine Familie mit zwei Kindern auch vier Autos besitzt. Oft kaufen sich die Jugendlichen auch neue Autos, und sind dann die ganze Woche mit Nebenjobs beschäftigt, um die Raten bezahlen zu können.

Der Sprit in den USA ist deutlich billiger, er kostet ca. 1/3 des Preises von Deutschland. Jedoch schlucken dafür viele, insbesondere ältere amerikanische Modelle auch das Mehrfache an Benzin.

An manchen Orten sieht man viele Jugendliche mit aufgemotzten Autos den ganzen (schulfreien) Tag durch die Gegend kurven. ("Cruisen"). Sie stoppen dann an bestimmten Orten um sich mit anderen zu unterhalten, oder in ein Drive-In Restaurant zu fahren.

Alkohol mit 21, Führerschein mit 16 Top

In den USA kann ein Jugendlicher schon mit 16 Jahren seinen Führerschein machen.

Mag das im ersten Augenblick auch recht jung erscheinen, so ist dies jedoch auch notwendig. (Siehe dazu auch: "Das Auto, des Amerikaners liebstes Kind").

Zwar habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt, neben einem "Kind" auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, doch wird es in vielen Bundesstaaten noch nicht einmal streng gesehen, wenn auch jüngere Leute mal am Steuer erwischt werden.

Im Vergleich zu unseren Landen, ist der Führerschein auch billig zu erwerben. Zwar sind Fahrstunden nicht gerade billig, aber man kann sie billiger machen, indem man mit dem eigenen Auto (oder dem der Eltern) die Stunden nimmt, bzw. sogar mit den eigenen Eltern im eigenen Auto üben kann. So dass man sich Fahrstunden spart. Ich habe die Prüfungsgebühren nicht mehr im Kopf, aber wenn die Fahrstunden (fast) komplett wegfallen, ist es nicht so teuer.

Allerdings müssen die Amerikaner alle paar Jahre (glaube vier) wieder, den Führerschein verlängern lassen. Dazu reicht es aber aus, einen Gesundheitstest (vor allem Augen) über sich ergehen zu lassen, und eine Gebühr zur Verlängerung bezahlen.

Sehr streng geahndet mit hohen Geldbußen, Verlust des Führerscheins und teilweise Gefängnis wird der Alkohol am Steuer, welcher auch in den USA die Ursache für zahlreiche Unfälle ist.

Ich denke, dass auch aufgrund der Tatsache, dass man ab 16 Auto fahren darf, die Altersgrenze zum "legalen" Genuss des Alkohols erst bei 21 ist. Während man in Deutschland ab 16 Bier und andere leichtere Alkoholika zu sich nehmen darf, kommen amerikanische Jugendlich erst mit 21 Jahren in diesen Genuss. Die schlimmsten Strafen für Alkohol am Steuer (und hier langt dann ein einziges Glas Bier, man muss nicht mal "besoffen oder angetrunken" sein) haben daher auch Personen, die mit unter 21 Jahren erwischt werden.

Volljährig ("erwachsen") mit vielen Rechten und allen Pflichten ist man in den USA mit 18. Dennoch darf man viele Dinge aufgrund des Alkoholverbotes unter 21 nicht tun. Zum Beispiel bleiben einem die meisten Bars und Diskotheken verschlossen, da sie nur Personen über 21 einlassen.

In Wisconsin kann man, wenn man noch unter 18 ist, in Begleitung seiner Eltern zum Beispiel eine Bar betreten. (Jedoch darf man dann trotzdem keinen Alkohol trinken.). Ist man 18 bis 20 Jahre alt, bleiben diese Türen auch im Beisein der Eltern geschlossen, da sie ja nun nicht mehr der "Vormund" sind.

All diese Verbote, Einschränkungen und strengen Strafen hindern jedoch viele Jugendliche trotzdem nicht am Genuss des Bieres. Gerade Wisconsin, deren Einwohner zum größten Teil die Nachfahren deutscher Einwanderer sind, zählt zu den "Bierstaaten". (Andere Beinahmen für Wisconsin ist der "Käsestaat" mit seinen "Cheeseheads" als Bewohnern, oder der "Dachstaat" (Badgerstate) aufgrund der Mienenarbeiter in den früheren Kohlemienen, die sich wie Dachse durch die Landschaft gruben). Besonders im College oder an der University gibt es viele illegale Alkoholpartys unter den Studenten. (Deswegen sieht man sie in "High School / Teenager" Filmen auch immer panisch von den Party flüchten, wenn ein paar Cops auftauchen).

Ich für meinen Teil habe in meiner deutschen Schulzeit wohl zwischen 16 und 19 am meisten Alkohol auf diversen (Schul-) Partys getrunken. Seit dem Ende dieser Zeit bin ich eher selten mal wirklich betrunken. In Amerika ist diese "Saufphase" wohl eher zwischen 21-24 anzusiedeln. Zumindest war das in meinem Bekanntenkreis so der Fall. Und als Deutscher, mittlerweile eher Gelegenheitstrinker, hatte ich dank des Wasserbieres in den Staaten keinerlei Probleme auf den Partys mitzuhalten. (In der Tat trinke ich am liebsten Bier, weshalb ich in den USA auch immer das vergleichsweise furchtbar teure deutsche Importbier besorgt hatte, was einfach um Welten besser schmeckt, als das amerikanische Wasser mit Bieraroma. Die einzige halbwegs trinkbare Bierversion aus den USA die ich kennenlernen durfte, war das "Budweiser".)

In manchen Bundesstaaten ist es generell verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit, bzw. auf der Straße zu trinken. Das ist der Grund warum man in so vielen amerikanischen Filmen die Leute ihren Schnaps immer versteckt aus Flaschen in diesen braunen Papiertüten trinken.

Die amerikanische Mentalität Top

Hier muss ich noch einmal zu einem kleinen Vorwort greifen, da manche Sachen sicher negativer klingen werden, als ich sie meine. Aber ich betrachte sie aus den Augen eines Deutschen (schließlich bin ich einer :)), der natürlich die Unterschiede in den Kulturen anders beleuchtet und damit automatisch vielem was anders erscheint, negativ eingestellt ist. (Das ist jetzt nicht so zu verstehen, dass wir Deutschen alles was anders als bei uns ist verdammen, aber es liegt im allgemeinen in der Natur des Menschen, dass es einfacher ist Dinge zu finden und zu kritisieren, die ihm missfallen oder als Nachteil erscheinen, denn das positive auszudrücken. Das wird zum Beispiel auf Teamsitzungen und Besprechungen, bzw. in Aufzählungen a la "Vorteile - Nachteile" deutlich, wo in der Regel die negativen Stichpunkte überwiegen.) Deswegen fange ich auch mal mit den überwiegend positiven Sachen, die mir auffielen an:

Eigentlich alle Amerikaner denen ich begegnete erschienen offen und freundlich. Ich wurde überall herzlich aufgenommen, war schnell in die Freundeskreise integriert und ging dann mit diesen regelmäßig auf diverse Touren, wobei ich mich echt bemühen musste, dass Bier auch einmal selbst zu bezahlen. Denn als "Gast" war ich ständig eingeladen.

Sobald man mal jemanden trifft, oder einfach nur shoppen geht, wird man gleich mit "Nice to meet you" oder "Hi, how are you today?" empfangen. Jedoch ist dies mehr eine sprachliche Konvention, den wirkliches Interesse. Oft hat man nämlich nicht einmal die Zeit eine kurze (1-2 Wörter) Antwort zu geben, bevor sich der Fragende schon dem nächsten (Thema) zugewendet hat. Allerdings ist auf diese Weise leicht und schnell ein Gespräch eröffnet.

Die Gastfreundschaft geht hier viel weiter als in Deutschland. Wie eingangs erwähnt wird man schnell mal eingeladen. Die Bereitschaft einen Gastschüler aufzunehmen erschien mir hier (Wisconsin) viel höher, als bei uns.

Auch die Hilfsbereitschaft untereinander ist scheinbar viel höher. Wenn jemand ein Problem hat, bei dem man z.B. kräftige Arme brauchen konnte, waren immer genug Leute vorhanden, die mit anpackten. (Beispielsweise der Bau einer Blockhütte an einem See). Für solche Sachen, seien sie privater Natur für einen Bekannten, oder einfach für irgendeine Sache zum Nutzen der Gemeinde erwarten die Helfer in der Regel kein Geld. Dafür dürfen sie aber im Gegenzug mit der Unterstützung bei eigenen Problemchen rechnen.

Etwas negativer aufgefallen ist mir die doch teilweise recht gravierenden Mängel an Wissen, welches über die amerikanischen Grenzen hinaus geht. So wurden mir in diversen Fragestunden an High School und sogar College ernsthaft Fragen gestellt wie: "Welche Sprache sprecht ihr in Deutschland? Auch englisch?" oder "Deutschland.... hm,... das liegt doch an der Ostküste bei Florida, oder?" Auch der Witz von "Was hast Du für deinen Flug nach Green Bay bezahlt?" - "Ca. 430$" - "Was??? Dafür wäre ich lieber nach Europa geflogen!" scheint da nicht mehr so weit hergeholt.

Viele der Amerikaner interessieren sich nicht wirklich für das Vorgehen außerhalb ihres Landes, es sei denn man führt gerade Krieg gegen dieses Land. Daher ist man mit Vorurteilen über andere Völker auch recht schnell bei der Hand. Auch wenn es in der Presse Informationen über das Ausland gibt, nimmt es doch eher einen kleinen Teil ein und wird meist nicht als wirklich wichtig erachtet. Die diesjährige Euroeinführung war am ersten Januar gerade einmal einen einzigen kleinen Absatz, immerhin aber auf der Titelseite der "Green Bay Press Gazette", wert. (Das ist die bekannteste Tageszeitung dort).
Für viele Amerikaner sind die Deutschen zum Beispiel reine Alkoholiker, die ständig saufen und daher auch starkes Bier haben. (Dieses Bild habe ich vermutlich, obwohl ich wirklich kein Trinker bin, eher gestärkt, denn geschwächt.) Das ist eher so, wie man bei uns im allgemeinen glaubt "alle Amerikaner sind dick". (Wobei sie sicher mehr dickliche Menschen haben als wir, was wohl mit der weit verbreiteten Fast Food zusammenhängt. Ob wir mehr Alkoholiker bei uns haben kann ich nicht sagen, aber das wir definitiv eine Menge davon haben, stimmt leider auch.)

Grundsätzlich würde ich fast behaupten, wird die Massenmeinung des Volkes vom dem bestimmt, was in den Medien geschrieben und behauptet wird. Diese Meinung wird dann auch steif und fest beibehalten und verteidigt. Im Gegensatz zu uns, wird man hier nicht gerade als "mündiger" Bürger erzogen, sondern in feste Denkmuster gedrückt, die einen dann meistens auch fest prägen. Kritik wird im allgemeinen nicht als "positive Kritik" verstanden, sondern alles andere als konstruktiv verstanden. Oftmals wird sie sogar als persönlicher Angriff betrachtet.

In Wisconsin viel mir bei diversen Diskussionen über "sinnlose und schwachsinnige Gesetze in verschiedenen Staaten der USA" auf, dass viele hier der gleichen Meinung sind, dass diese total veraltet, schwachsinnig und überholt sind. Jedoch kümmert sich auch keiner darum, diese zu ändern oder abzuschaffen. Immer wieder hört man dann auch von den sinnlosesten Gerichtsverhandlungen, wo z.B. ein neunjähriger Junge aus der Schule verwiesen wird und eine Art Jugendstrafe absitzen muss, weil er in der Schule ein Mädchen auf die Wange geküsst hat. Einige dieser sinnlosen Gesetze sind z.B. das "Hände halten und Küssen in der Öffentlichkeit vor der Ehe ist verboten." "Vor dem Betreten eines öffentlichen Gebäudes (Restaurant, Stadthalle etc.) müssen die Schuhe ausgezogen werden." usw.

Angeblich würde sich aber praktisch keiner um so etwas kümmern...

Je nach Wohnort bzw. Bundesstaat sind zum Beispiel auch die Einstellungen zu der "Todesstrafe" regelrecht festgefahren. Diese wird dort zum Teil eisern verteidigt. Generell werden auch Gesetze lieber mit der Keule durchgezogen, anstelle den möglichen Problemen auf den Grund zu gehen.

Die amerikanische Gesellschaft ist auch sehr konsumgeprägt. Alles was Geld bringt, wenig (am besten gar nichts) kostet oder die Wirtschaft der USA stärkt ist gut. Ungeachtet negativer Auswirkungen auf Umwelt, Nachbarstaaten oder den Rest der Welt. Meistens wird so was einigen Amerikanern erst bewusst, wenn andere Nationen "angepisst" sind. Das ist dann aber noch lange kein Grund, das Verhalten danach zu ändern. Schließlich ist es der Amerikaner angeborenes Recht, zu tun und lassen was sie wollen.

Ein weiteres Merkmal der Gesellschaft ist es, dass sie sehr schwerfällig auf Änderungen reagiert, die Aufwand, egal ob finanziell oder anderer Art, bedeuten. Während z.B. technische Neuerungen, die Vorteile mit sich bringen, sich meistens rasend schnell verbreiten und landesweit Einzug finden.

Versuche in den Staaten z.B. metrische Systeme für Mengen (Liter, Kilo). Geschwindigkeiten/Entfernungen (Meter, Kilometer, Kilometer pro Stunde) oder Temperaturen (Fahrenheit -->Celsius) einzuführen, scheiterten an dem Unwillen des Volkes das neue zu "erlernen". (Außerdem müssten dann ja auch alle Schilder, Bezeichnungen, Angaben, Schulbücher angepasst werden, was ja wieder eine Stange Geld kosten würde).

Anders als in Deutschland finde ich auch die Einstellung zur Arbeit. Klar gibt es auch hier "Faulenzer", aber generell gesehen hat eigentlich schon jeder Jugendliche einen oder mehrere Nebenjobs um sich Geld dazu zu verdienen. (Oder aber seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.) Der Job ist hier recht wichtig, in der Regel ist auch die Bindung zur eigenen Firma viel enger als bei uns. Das Wohl ihres Unternehmens scheint ihnen wichtiger als es in unseren Landen wohl der Fall ist. Gleichzeitig arbeiten sie in der Regel mehr Stunden und haben im ganzen Jahr nur zwischen 1-2 Wochen Urlaub. Dabei verdienen sie im Verhältnis zu uns eher schlechter. Es mag zwar teilweise durch den starken Dollarkurs nach mehr erscheinen, jedoch kosten z.B. Lebensmittel das gleiche wie bei uns... jedoch zahlen sie hier eben nicht drei DM für eine Tüte Chips, oder 12 Mark für eine Pizza, sondern drei, bzw. 12 Dollar. Als "Deutscher" war demnach das Essen&Trinken verdammt teuer.

Auffällig ist auch gewesen, wie sich manche Arbeitgeber als Kämpfer gegen Alkoholmissbrauch oder Drogen fühlen. Es ist zum Beispiel an der Tagesordnung, wenn jemand eingestellt wird, auch einen Drogentest bei der Bewerbung zu machen, oder diesen unangemeldet ab und an in der Firma durchzuführen. Wer dann dem Drogenmissbrauch überführt wird, ist oftmals seinen Job los, bzw. bekommt ihn erst gar nicht. Teilweise wird den Angestellten auch das Rauchen und Trinken in ihrer Freizeit untersagt. Dies ist aber auch von Staat zu Staat und von Firma zu Firma verschieden. In den Firmen, in denen ich zu Besuch war, wurde das eher locker gesehen. (Auch wenn im kompletten Firmengebäude generell das Rauchen verboten war.)

Gleichzeitig fehlt in den meisten Staaten ein Schutz für den Arbeitnehmer, wie wir ihn in Deutschland kennen. Es gibt z.B. keinen Zwang für eine Krankenversicherung. Wer dann krank wird muss bar bezahlen... oder auf die Behandlung verzichten. Und Medizin ist auch in den USA alles andere als billig. So schöne Dinge wie Arbeitslosen- und Rentenversicherungen (staatlich) gibt es eigentlich so gut wie gar nicht. In den meisten Fällen muss jeder für sich selbst sorgen.

Wisconsin hat nach amerikanischen Maßstäben jedoch ein recht gutes soziales Netz, dass halbwegs nach deutschem Vorbild arbeitet. (Liegt vielleicht daran, dass hier ca. 70% der Einwohner die Nachfahren deutscher Einwanderer sind). Allerdings kämpft man auch hier mit den gleichen Problemen, zum Beispiel der Überalterung. Auch der Schutz vor dem "Entlassen werden" ("You are fired!") ist hier nun etwas ausgeprägter, dennoch deutlich leichter als bei uns.

Familie und Wohnen Top

Über Familie und Wohnen bleibt mir zu sagen, dass es mein Eindruck ist, dass die Familie hier enger zusammensteht. Nicht im Sinne, von "sich mehr lieben", als wir unsere Verwandten in Deutschland, sondern dass mehr gemeinsame Familienaktivitäten durchgeführt werden.

Zum Beispiel, wenn die Kinder irgendwelche (Schul-) Veranstaltungen oder Aufführungen haben, so kommen die Eltern in der Regel sehr oft mit. Und das gilt nicht einfach nur für besondere, einmalige Veranstaltungen, sondern auch für kleinere Dinge wie dem Besuch einer sportlichen Veranstaltung des Sohnes/Tochter.

Dies zieht sich aber auch auf gemeinsame Ausflüge mit der gesamten Familie außerhalb der Schule hin.

Auch scheinen mir die meisten Amerikaner eine Vorliebe für viele Fotos zu haben, und nach Möglichkeit jeden mehr oder weniger wichtigen Augenblick ihres Lebens und das der Kinder festzuhalten.

Meistens überwachen die Eltern auch ihre Kinder (unter 21), dass diese keinen Alkohol trinken. Außerdem zahlen sie den größten Teil der Schulkosten, die nach deutschen Maßstäben nicht gerade billig sind. Ein Collegejahr kostet von ca. 5.000$ bis ca. 40.000$ im Jahr nämlich eine ganze Menge, wodurch sich auch nicht jede Familie einen "guten" Schulbesuch leisten kann.

In Deutschland herrscht auch die weitläufige Meinung, dass alle Amerikaner in vergleichsweise riesigen Appartements oder Häusern wohnen. Dies ist jedoch auch je nach Ort (und damit der Größe der Stadt) und natürlich dem Geldbeutel der Familien sehr verschieden.

in Großstädten stehen die Häuser auch dicht an dicht und wachsen eher in die Höhe und bieten so mehreren Familien einen Wohnplatz. Hier sind eher typische deutsche Verhältnisse zu finden. Zwar sind auch hier genügend Viertel vorhanden, in denen die Menschen große Grundstücke und große Häuser haben, aber die Tendenz ist dort eher wie bei uns.

In kleineren Städten dagegen, wird die verfügbare Landmasse viel besser ausgenutzt. D.h. hier haben (vielleicht mit Ausnahme von der Innenstadt (Downtown)) die meisten Häuser nach deutschen Maßstäben große bis riesige Grundstücke. Die Häuser darauf sind je nach Geldbörse auch größer. Wirklich riesig sind sie wohl aber auch nur bei reichen Familien. Dafür ist das Basement meistens auch ausgebaut, als Wohn- Arbeits- oder Partybereich. In Deutschland findet man da eher den üblichen Keller. (Wobei natürlich auch viele Amerikaner das Basement als reinen Lagerraum verwenden). Wenn ich jedoch die "obere" Mittelklasse (vom Verdienst her gesehen) betrachte, dann denke ich dass die meisten Amerikaner größere Häuser und vor allem Grundstücke haben. Diese müssen sie aber auch entsprechend mit Steuern bezahlen, denn diese sind (in Wisconsin) relativ hoch. Der Kauf eines Grundstückes und eines Hauses dagegen ist billiger, als er für ein gleichwertiges Stück Eigentum bei uns wäre. Aber dafür hat die USA halt einfach mehr Platz und die meisten Häuser bestehen zu einem großen Teil aus Holz und sind schlecht isoliert. Dementsprechend kostet es mehr Energie im Winter zu heizen, bzw. im Sommer zu kühlen. Doppelte Verglasungen, Isolierschichten etc. findet man hier kaum. Lieber wird besagte Energie regelrecht verschwendet, Rohstoffe gibt es ja im Überfluss.

Was mir auch aufgefallen ist, ist die Tatsache das (in Green Bay) fast überall tagsüber die Türen offen stehen, bzw. nicht verschlossen sind. Jeder könnte also die Häuser einfach betreten. Auch die Autos werden oft auf dem Grundstück (oder davor) geparkt, ohne abgeschlossen zu werden. Zumindest trifft das in den Gebieten mit niedriger Kriminalität zu, in Chicago ist das sicher anders. :)

Viele Kinder verlassen das elterliche Haus nach der High School (also mit ca. 18 Jahren), um in anderen Städten oder gar Staaten ein College zu besuchen, zu studieren oder zu arbeiten. Hier kann man erneut sehen, dass größere Entfernungen anders behandelt werden. (Bei der Größe des Landes aber auch nicht unbedingt anders zu erwarten.) Auch kommt mir das Alter mit der ein Großteil der Jugendlichen das Elternhaus verlassen hier niedriger vor, als in Deutschland. Obwohl auch in den USA die Eltern in der Regel danach das College und das Studentenheim oder Apartment bezahlen. Studentenwohnheime sind in der Regel nicht sehr groß, was den Platz für den Einzelnen angeht. Oftmals teilen sich zwei Personen einen kleinen Raum. Das Wohnheim insgesamt ist jedoch meist größer als die deutschen, bietet also insgesamt mehr Studenten Platz. Jedes größere College oder Universität hat seine eigenen Studentenunterkünfte.

An Feiertagen wie dem "Thanksgiving Day", "Independence Day", "Christmas" trifft man sich oftmals im großen Familienkreis zu einer Feier, wobei auch längere Anreisen gerne in Kauf genommen werden. Sind diese Feiertage doch gleichzeitig auch oft die einzigen Zeiten im Jahr, wo man die meist quer in den Staaten verteilten Angehörigen mal zum Großteil auf einem Haufen treffen kann.

Generell ist die Bereitschaft umzuziehen, zum Beispiel für einen neuen Arbeitsplatz, in den USA bei weitem größer als bei uns. Und damit ist nicht ein Umzug von Stadt zu Stadt gemeint, sondern eher von Staat zu Staat. Ich denke gehört zu haben, dass ein erwachsener Amerikaner im Schnitt sieben mal im Leben umzieht.

Freundschaft und Gesellschaft Top

Über die amerikanische "Konsum-" Gesellschaft habe ich unter dem Punkt "Die amerikanische Mentalität" bereits berichtet. Siehe daher auch dort. Ebenfalls gehe ich unter dem Punkt "'Rassismus' und Nationalstolz" noch auf einige Aspekte ein.

Zur "Freundschaft" in den Staaten könnte ich vermutlich mehr sagen, wenn ich länger oder öfter dort drüben gewesen wäre. So kann ich nur meine Eindrücke schildern, und berichten was mir in einer entsprechenden Diskussion mit meiner Gastfamilie, welche ich aus Neugierde zu diesem Thema startete, mitgeteilt wurde.

Mein Eindruck war, dass die Amerikaner im generellen sehr viel offener gegenüber Fremden sind, als wir bei uns. Das beginnt mit Unterhaltungen wenn man irgendwo in einer Schlange ansteht, Bus fährt oder in einem Stadion sitzt und einem Spiel zuguckt. Plötzlich, für einen Deutschen völlig unerwartet spricht einen der Nachbar an, als ob man sich Jahre kennt und plaudert aus dem Nähkästchen, bis sich die Wege trennen und meistens nie wieder treffen. Vielleicht wird aber auch ein guter Freund daraus?

Freundschaften in den USA... mir scheint es, dass Amerikaner im Allgemeinen viel schneller Anschluss in einer fremden Stadt oder in einem fremden Bundesstaat finden, als wir in Deutschland, wenn wir umziehen würden. Das mag an der bereits beschriebenen Offenheit und Hilfsbereitschaft liegen, oder einfach daran, dass Amerikaner eigentlich immer beschäftigt sind und irgendwas unternehmen. Dadurch lernt man ja auch eine Menge neue Leute kennen.

Verbirgt sich hinter der Offenheit aber auch Interesse an einer echten Freundschaft? Oder ist es eher wie mit dem Gespräch in der Warteschlange? Kaum ist die Begegnung zu Ende, ist schon alles vergessen?

Ich wage es nicht zu beurteilen, aber mein Eindruck dazu ist: JA.

Zum einen ziehen Amerikaner viel öfter um, und dann gleich oftmals um Strecken, die uns ans andere Ende von Europa hetzen würden. Da verliert man eigentlich alle Bekannten erst mal aus den Augen, und durch die weite Entfernung sieht man sich so gut wie gar nicht mehr. Zum anderen erlischt bei vielen wohl wirklich das Interesse, wenn eine gewisse Entfernung überschritten wird, bei der man sich nicht länger mehrfach die Woche/Monat sieht. Von uns vier Austauschschülern habe nur noch ich Kontakt zu einer meiner beiden Gastfamilien. Alle anderen haben überhaupt keinen Kontakt mehr, selbst Emails blieben unbeantwortet. 

Kaum war also der Trubel, die Begeisterung „Guck mal, ICH habe einen Deutschen bei mir im Haus!“ verflogen, war auch das Interesse zum Kontakt zu Ende. Freundschaft, solange man nur einen Vorteil daraus hat? Das widerspricht vielleicht der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft ein wenig... könnte aber auch eine genau daraus resultierende Folge sein? Schließlich lernt man ja leicht neue Leute kennen...

Durch verschiedene Gespräche mit Amerikanern (Studenten und meiner Gastfamilie) glaube ich, dass sich viele Amerikaner eben genau so verhalten. Das es nicht für alle gilt, zeigt das Interesse meiner „zweiten“ Gastfamilie an Informationsaustausch und ständigem Emailkontakt. Ebenso der Kontakt zu einer Studentin, mit der ich auch regelmäßig schreibe und in den USA viel unternommen habe. Sie ist es auch, die den quer durch die USA davonziehenden langjährigen Freunden nachtrauert. Mein Gastvater war gar der Meinung „echte Freunde“ sind nur die Freunde aus der „High School - Zeit“. Mit ihnen würde man sich regelmäßig treffen und telefonieren. Spätestens alle fünf Jahre gäbe es ein Klassentreffen, zu dem jeder kommt der es irgendwie einrichten kann. Außerdem definierte er Freundschaft auch auf die Weise, dass man gut befreundet sein kann, ohne sich ständig zu sehen, zu treffen und etwas unternehmen zu müssen. Diesem Punkt stimme ich auch zu :)

Dennoch beurteile ich eine Freundschaft zu Amerikanern kritischer als zu Deutschen. Wobei, einmal ehrlich gefragt... Wie viele Freundschaften in Deutschland halten über einen längeren Zeitraum, wenn einer mal umzieht und weiter weg wohnt? (so ab 1+ Autostunden?). Für meinen Teil kann ich sagen: Einige, aber nicht die meisten. Jedoch sind diese „einige“ in der Regel auch die Freundschaften zu den Leuten, die ich auch schon vorher als „echte“ Freunde eingeschätzt hätte, auf die man sich in jeder Lage und Situation, insbesondere in der „Not“ verlassen kann.

Vielleicht sind wir in der Beziehung ja gar nicht so unterschiedlich. Nur dass die Amerikaner vielleicht einige soziale Kontakte, die wir bereits als Freundschaft definieren, einfach nur für eine „Bekanntschaft“ halten. Und zu einer Bekanntschaft verliert man selbst den Emailkontakt manchmal innerhalb von zwei Wochen, während Freundschaften langsamer oder eben nie absterben.

Echte Freunde erkennt man in der wahren Not... wenn also in Deutschland in der "wahren Not" ein paar wenige Freunde zu mir stehen, dann sind dies meine "echten Freunde." Doch wie sieht es in der USA aus, wenn in der echten Not vielleicht keiner zu mir steht, wie wir es in Deutschland erwarten würden, aber alle mit anpacken und das abgebrannte Haus wieder mit eigenen Armen aufbauen, oder einen für eine längere Zeit bei sich aufnehmen? Wer ist denn nun besser dran? Derjenige der seinem echten Freund das Herz ausschüttet und allen Kummer von der Seele redet, oder derjenige der das gleiche bei einem wildfremden in der Straßenbahn tut, den er danach nie mehr wieder sieht?

Entscheide Du!

Die amerikanische Küche (FastFood) Top

Grundsätzlich wird in den USA viel mehr Fast Food gegessen, als bei uns in Deutschland. Natürlich kann ich nicht sagen, ob das für jeden Bundesstaat gilt (Alaska, Hawaii *g*), aber in jedem in dem ich war, gab es Fast-Food Ketten am laufenden Band.

In der Stadt Green Bay (ca. 100.000 Einwohner) alleine 26 McDonalds Restaurants. Die vielen anderen wie "Burger King", "Taco Bell", "Storheims", "Godfather Pizza", "Pizza Hut", "Pappa John's Pizza", "Perkins", "Truck Stop", "Day's Inn", sowie kleinere Ketten und einzelne Lokale oder Bars sind da noch gar nicht mitgezählt. Zwar haben viele Firmen keine eigene Kantine (die sind sogar recht selten), aber dennoch wäre das in Deutschland unvorstellbar. Eine Stadt mit 100.000 Einwohnern bei uns, kann sich glücklich schätzen nur ca. zwei McDonalds zu besitzen.

Dementsprechend verspeisen die Amerikaner auch eine ganze Menge mehr. Natürlich ernähren sie sich nicht nur davon... aber.... na ja. Nicht zu Unrecht haben sie ein deutlich größeres Problem mit übergewichtigen Menschen. Und das dies nicht erblich bedingt ist, sieht man daran, dass fast jede Familie von vier Personen drei "normale" gewichtete Menschen hat (Nach unseren allgemeinen "Schönheitsidealen"), aber mindestens einer deutlich mehr Umfang besitzt. Auch neigen die dickeren Menschen hier dazu, deutlich dicker zu sein. Entweder man ist schlank, oder dick. Dazwischen habe ich fast niemanden gesehen. (Außer vielleicht mich selbst *g*).

Auch Knabbersachen, Käse, Wurst etc. erschien mir reicher an Fetten, als bei uns. Auf "gesunde" Ernährung achten hier daher nicht so viele, wie in europäischen Staaten. (Wobei meine Gastfamilie dafür ein eher schlechtes Beispiel ist, denn die Mutter ist sehr auf gesunde Ernährung aus. Sie ist nicht nur Vegetarierin, auch allgemein kümmert sie sich bei Essen und Getränken darum, dass sie möglichst frei von Zusatzstoffen, künstlichen Farb- und Geschmacksverstärkern, oder Fetten sind. Und fettfreie Kartoffelchips schmecken... na ja... Mike (der Ehemann) pflegt zu sagen: "Meine Frau hat viele Punkte, die beim Kaufen und Kochen von Lebensmitteln sehr wichtig sind. Geschmack gehört aber nicht dazu." *gg*

Übrigens sind die Lebensmittel, auch die in den Fast Food Lokalen vergleichsweise teuer. Eine Pizza kostet leicht 12-15$, was das doppelte des Preises bei uns ist. Jedoch sind sie dafür in der Regel größer und oftmals ist ein Getränk dabei.

In vielen der Fast-Food Ketten, kann man auch seine Getränke unbegrenzt nachfüllen, nachdem man eines gekauft hat. Eine weitere Angewohnheit hier ist es, dass jedem Getränk Unmengen von Eis beigefügt sind. Man sollte seine Cola daher aus zwei Gründen schnell trinken: 1.) ist sie nach einiger Zeit furchtbar verdünnt und 2.) schmecken die Eiswürfel oft furchtbar nach Chlor, welches zum Desinfizieren des Wassers verwendet wird. Schmelzen die Würfel im Glas, so schmeckt das ganze Getränk wie ein Schwimmbad. Der einzige Vorteil, den manche von uns sehen mögen, ist das Trinken alkoholischer Dinge. Hier bedeutet mehr Eis = weniger Soda und mehr Alkohol. Es wird dadurch nicht so sehr verdünnt.

In Diskotheken sollte man seine Getränke übrigens immer festhalten oder nur auf einem Tisch abstellen. An jeder anderen Abstellfläche werden die Gläser, selbst randvolle, ungefragt eingesammelt, da man verhindern will, dass sie jemand umstößt und der Boden voll Flüssigkeit und Glasscherben ist.

Einige generelle Sachen fallen auch noch auf.

  • In vielen Lokalen (selbst "Fast Food" zum Teil) setzt man sich nicht einfach hin, sondern bekommt einen Platz zugewiesen. (Raucher/Nichtraucher sowie nach Anzahl der Personen).
  • Amerikaner schneiden erst alles auf dem Teller klein, um es dann nur mit einer Gabel zu essen.
  • Man bezahlt nicht am Tisch, sondern bekommt eine Rechnung, die an der Kasse beglichen wird.
  • Meist geht man nach dem Essen sofort aus dem Lokal, und bleibt nicht wie bei uns noch eine Zeitlang sitzen.
  • Oft bekommt man gegen eine pauschale Gebühr soviel zu trinken, wie man möchte und schafft.
  • Fast überall werden Kreditkarten akzeptiert.

Übriges Essen kann in sogenannten "Doggybags" mitgenommen werden. ("To Go Plate")

Über Städte und Straßen Top

Für Autofahrer bieten amerikanische Städte und Straßen einen netten Vorteil. Sie sind in der Regel breiter, mehrspurig und größer. Auch gibt es aufgrund der vergleichsweise sehr dichten Bevölkerung in Europa in Amerika meistens genügend Parkfläche. Jedes noch so kleine Geschäft hat davon mehr, als hier bei uns.

Das Warten an manchen Stellen, weil gerade Gegenverkehr kommt, gibt es dort praktisch nicht. Selbst wenn zu jeder Straßenseite Autos parken, können zwei Busse in der Regel ohne Probleme aneinander vorbei.

Großstädte mögen hier aufgrund der vielen, teilweise Millionen Menschen eine Ausnahme bilden, dennoch halte ich auch dort die Verkehrregelung, bzw. die Ausnutzung größerer Flächen für geschickte, bzw. bequemer als bei uns. Während ich noch heute sehr ungern durch Frankfurt fahre, und mich immer wieder in diversen Einbahnstraßen verirre (und dann gegen meinen Willen in die falsche Richtung fahren muss...). In Amerika hat man keine Probleme damit, größere Straßen und Highways, die durch eine Stadt gehen, kurzerhand über mehre Ebenen und Brücken auszunutzen. (Siehe Bilder aus der Bildergalerie von Chicago z.B.).

Die Straßen verlaufen sehr oft kilometerlang immer geradeaus, was das Fahren deutlich stressfreier macht. Hinzu kommt, dass in den meisten Staaten die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 55 oder 65 Meilen pro Stunde (1 Meile ca. 1.6 Kilometer) liegt. So fahren alle Autos fast gleichschnell. Die Lkws sind daher nicht langsamer. (Wenn sie es sein sollten, kümmert sich wohl keiner darum.)

Diese Stressfreiheit (kein ständiger Spurenwechsel, gerade Straßen, keine Raser, überholen zu beiden Seiten möglich) wirkte auf mich aber auch sehr einschläfernd. Insbesondere wenn das Auto die richtige Geschwindigkeit von alleine halten kann (Tempomaat). Ich bin zwar nur einmal gefahren, und das war mitten in der Nacht von Chicago nach Madison... weswegen ich auch müde war... aber dort kam es mir schrecklich einschläfernd vor und ich war gezwungen in einem der zahlreichen FastFood Ketten eine Zwangspause einzulegen.

Sehr gewundert habe ich mich auch, dass parallel zu vielen Highways in beiden Richtungen nach einem Grünstreifen jeweils noch mal 1-2 Spuren für Autos waren. Diese dienten den Anwohnern dazu, ebenfalls dort fahren zu können, ohne auf den Highway zu müssen. In Deutschland ist das aus Kosten- und Platzgründen undenkbar.

Die Straßen (in Wisconsin, Illinois) erinnern ein wenig an die Bauweise der alten DDR Autobahnen. Betonplatten, getrennt durch Dehnungsfugen aneinander gereiht. Daher wäre schnelleres Fahren vermutlich eine sehr holprige Sache. Diese Bauweise verwendet man übrigens nicht aus Rückständigkeit, sondern wegen der harten Winter. Normaler Asphalt wie bei uns, würde aufplatzen und ständig kaputt gehen. (Ich denke mal, dass in anderen Staaten etwas andere Highways sein werden. Hoffe nur, dass sie nicht in Florida/Kalifornien den alten deutschen Teer verwenden, der sich ab 40°C relativ weich macht, und bei noch höheren Temperaturen fast flüssig wird. Die sogenannte "Stöckelschuh-Falle").

Die übrigens einzigen mir bekannten Straßen, auf denen es keine vorgeschriebene Maximalgeschwindigkeit gibt, sind die sogenannten "Dirt Roads". Das sind unbefestigte Straßen, zum Großteil im Süden des Landes. Der Zustand dieser Straßen (Straßen?) erlaubt meist kein zu schnelles Fahren. Dennoch sind sie bei Jugendlichen teilweise recht beliebt. Ebenso wie (illegale Alkohol-)Partys in "Deadends". Ein Bild von einer DirtRoad habe ich auf der Austausch-Webseite von Timm Gehrmann gefunden:

Der Aufbau von Städten ist auch unterschiedlich. Meistens haben die Häuser nach deutschen Verhältnissen riesige Gärten (Meistens mit Gras, welches sogar regelmäßig geschnitten wird... von den meisten.) und Grundstücke. Je weiter es ins Zentrum (Downtown) geht, desto mehr nehmen aber die Wohnhäuser ab und werden durch Gewerbe und Industrie ersetzt. Riesige Supermärkte, massig Fast Food, Banken, Bars, Kinos, Malls (Einkaufs-Center mit verschiedenen Geschäften) etc. Dies heißt natürlich nicht, dass es hier keine Wohnhäuser gibt. Diese sind jedoch in der Regel auf kleineren Grundstücken und gehen nun auch mehr in die Höhe. So dass hier oft viele kleine Appartements unter einem Dach zu finden sind. In den Häusern in den "Vororten" wohnt meistens nur eine Familie. Auf den ersten Blick scheinen die Häuser auch nach deutschen Verhältnissen riesig, die meiner Gastfamilien waren auch recht groß. Jedoch entscheidet die Größe der Geldbörse auch über die Größe des Hauses. Und viele Leute meines Alters wohnten in Häusern, die kleiner sind als meines hier in Deutschland. (Samt Eltern).

In den Großstädten, welche das Wort Groß teilweise neu definieren, gibt es meistens massig Hochhäuser. Bei uns kenne ich nur Frankfurt als eine Stadt, mit einer "echten Skyline". Jedoch sind diese typischen amerikanischen Häuser (also "großes" Grundstück mit einem Einfamilienhaus drauf", wie man sie auch aus den Filmen kennt, auch hier massig zu finden. Dies macht Städte, wie Chicago so groß, dass man vom Flugzeug aus über der Stadt fliegend, unter Umständen bei freier Sicht noch nicht einmal die Hochhäuser sehen kann... Chicago und New York waren vom Flugzeug aus beim besten Willen nicht zu überblicken.

Dabei haben die meisten Städte eine Straßenführung, die die komplette Stadt in ungefähr quadratische Blocks einteilt. Die eine Hälfte der Straßen verläuft von Norden nach Süden, die andere Hälfte von Osten nach Westen. In Madison z.B. herrscht ein kleiner Mischmasch dieses "britischen Stils" mit dem "französischen Stil", hier laufen viele Straßen auf das Stadtzentrum (das Capitol, der Regierungssitz des Gouverneurs von Wisconsin) zu, die anderen in den typischen Quadraten. Auswärtige fluchen daher über die Verkehrsführung *g*.

Mike (der Gastvater) meinte in einer Diskussion einmal, auf die Frage warum die Amerikaner in ihrem Leben so häufig umziehen, dass es zwei Gründe dafür gäbe. Zum einen zieht man mit seiner Firma oder wegen einem neuen Job um (und damit vielleicht ans andere Ende der USA), zum anderen wären für viele Leute die Häuser eine Art Statussymbol. Sie würden damit zeigen wollen: "Guck mal mein tolles, großes Haus an, und was ich erreicht habe." Nach einigem Nachdenken ist zumindest der letztere Teil auch in Deutschland zu finden, jedoch ist es bei uns noch bei weitem teurer, da die Grundstückspreise (und Hauspreise) gewaltig höher sind.

Nationalstolz und Rassismus Top

So... da kommt also nun ein "Deutscher" daher und will über Nationalstolz und Rassismus in den USA reden?

Und ja, genau das will ich machen. Und all jenen Querdenkern denen ich in den wenigen Jahren meines bisherigen Lebens schon über den Weg gelaufen bin, die mir immer nur zu gerne sagen: "Die Deutschen sind alles Nazis!", denen sei nur noch einmal mitgeteilt, dass sie auch gerne weiter auf der "Deutschen Vergangenheit" rumhacken sollen. Mit Sicherheit bin ich nicht stolz auf die Ereignisse rund um das 3. Reich, aber ich war es nicht, der damals als fanatischer Anhänger, aus welchen Gründen auch immer, mitgespielt hat. Ich war damals noch nicht geboren, ebenso wie meine Eltern. Und ich habe ebenso das Recht darauf, stolz auf mein Land zu sein und eine Fahne zu schwingen, wie jeder andere Mensch auf Erden für sein Vaterland auch. So etwas macht nämlich noch lange keinen Nazi. Diese erkennt man an anderen Handlungen, und man wird sie (auch heute) überall in der Welt finden. Nicht nur in Deutschland.

Generell betrachtet viel mir bereits letztes Jahr auf, dass die Amerikaner viel mehr als wir im ganzen Land ihre Flagge zeigen. Sei es als Aufdruck irgendwo, oder als echte Fahne an Häusern, Geschäften bzw. Autos.

Auch an der Außenpolitik der USA kann man leicht erkennen, dass sie sich gerne als Vertreter der Menschenrechte sehen. Beurteilen möchte ich das selber nicht, denn viele böse Zungen behaupten, sie täten das nur, wenn es ihrem Land einen Vorteil bringt. Das mag auf den ersten Blick manchmal wirklich so erscheinen, allerdings habe ich mich nie tiefer mit der amerikanischen (Außen-)politik befasst, um das objektiv beurteilen zu können.

Was sicher aber auch schon jedem aufgefallen ist, in fast allen großen Hollywoodproduktionen sind Amerikaner die Helden oder Retter der Welt. Ob dies nun auf den wichtigen amerikanischen Kinomarkt zugeschnitten ist (Hier entscheidet sich ja meistens ob es ein Flop, oder Topfilm wird.), oder wirklich die Ansichtssache (der Glauben), dass man nur selbst die Stärke besitzt die Welt zu retten, weiß ich nicht. Aber wäre es nicht eines jeden Traum, dass "er" der Held in seinem Film ist, und die Menschheit vor dem Untergang bewahrt?

Daher möchte ich diese Umstände auch nicht unbedingt als besonderen "Nationalstolz" erwähnen.

Mit Sicherheit aber haben die Amerikaner ein deutliches höheres Selbstbewusstsein, was ihre Politik angeht. Nicht umsonst lässt sich der Präsident gerne der "mächtigste Mann der Welt" nennen. (Hm... ich denke nicht, dass dies stimmt *g*). Auch die Armee wird hier ganz anders angesehen als bei uns. Jedoch haben in Deutschland eben viele noch die Folgen des zweiten Weltkrieges im Kopf... und aufgrund der Tatsache gleich europäisches Missfallen (weltweites?) bei anderen Politikern zu erregen, wenn ein Deutscher Politiker sich einmal etwas zu weit nach vorne beugt, ist es für uns recht schwer auch nur annähernd gleich zu sein. Briten und Franzosen sehen sich da ja auch in einer anderen (Macht-)position, und stehen immer gleich als erste an der Seite der USA, wenn es um militärische Schläge geht.

Bei uns drücken sich viele gerne vorm Bund. In Amerika ist die Begeisterung für die Armee größer. Auch wenn man dort immer nach Freiwilligen für die (Berufs-)Armee sucht, finden sich doch immer wieder genug. Als "Werbemittel" für die Armee werden bei Sportveranstaltungen gerne Kampfjets eingesetzt, die im Tiefflug nach dem Singen der Nationalhymne über ein Stadion preschen.

Bei uns wäre das undenkbar. Ich glaube, wenn wir anfangen würden vor jedem Bundesligaspiel die Nationalhymne zu singen, würden wir in Europa bereits misstrauische Gesichter ernten.

In dieser Hinsicht sind die Amerikaner viel freier, aber auch stolzer. Schließlich haben sie weltpolitisch gesehen viel erreicht, und sie tun politisch alles, diese Vormachtsstellung beizubehalten.

Dennoch gibt es auch in den USA kritische Stimmen. Besonders jetzt, nach dem 11. September. (Siehe dazu auch: "Folgen des 11. September 2001")

Mein Fazit wäre daher, dass die US Bürger ein stolzes Volk sind, mit sehr gut ausgeprägtem Nationalismus.. Stolz auf sich und ihre Vergangenheit, stolz so zu sein wie sie sind. (In meinen Augen ist die USA nicht das "Ideal", auch sie haben Probleme und Gesetze, die in meinen Augen mehr als fragwürdig sind. Aber sie haben eine funktionierende Demokratie, was halt noch nicht heißt, dass es auch die Perfekte ist.)

 

Das Thema Rassismus ist hier schon schwerer zu beurteilen. Besonders in meinem Fall. Ich habe in Wisconsin weder in meinen Gastfamilien, noch im Bekanntenkreis "Rassismus" gespürt. Aus Unterhaltungen jedoch auch einige andere Dinge gehört. Besonders in Richtung Süd-USA scheinen das viele Leute anders zu sehen.

In Green Bay zum Beispiel gibt es nicht wirklich viele schwarze Amerikaner. Vielleicht mag dies ein Grund sein, warum es weniger Probleme gibt. Meistens sind die Leute, die ein Problem mit anderen Menschen haben, aggressiver wenn sie "ihr Problem" zahlreicher sehen - und dann vielleicht Gleichgesinnte eher erkennen. Denn im Chor singt es sich bekanntlich lauter.

Was in Green Bay jedoch auffiel, ist die Tatsache, dass es genug Leute gibt, die nicht in "Indianische Läden" gehen und dort generell nicht einkaufen. Obwohl sie die gleichen Waren verkaufen, und das sogar noch steuerfrei. (Also billiger).

Das mag viele Gründe haben, so zu handeln. Aber hier sind sicher auch einige Rassisten dabei. Auf meine Frage letztes Jahr, ob es das Wort "Rothäute", wie man es aus vielen Western hier bei uns kennt, auch gibt, sagte man mir "Ja, das gibt es. (Redskins) Aber das sollte man nicht im Beisein eines Indianers benutzen, denn es wäre rassistisch."

Ebenso teilte man mir mit, dass (insbesondere im Süden der USA) es an manchen Orten noch immer regelrechtes "Schwarz/Weiß" Denken gibt. Dies rührt wohl aus der Vergangenheit der Staaten, in der man schwarze Mitbürger als Sklaven missbraucht hatte.

Eigene Erfahrungen dazu habe ich jedoch keine gemacht. Einen kritischen Erfahrungsbericht dazu gibt Timm Gehrmann auf seiner Homepage, welcher als Austauschschüler ein Jahr in Florida verbracht hat und hier schon recht deutliche Probleme sieht. Hier der Link auf seinen Bericht: http://home.t-online.de/home/us-exchange/essay9.htm

Als "Deutscher" habe ich auch generell in der ganze Zeit keine negativen Erlebnisse gehabt. Mir gegenüber waren alle offen, freundlich, einladend. Auch wenn man mir immer wieder stolz all die Unterschiede präsentiert hat, die es im Vergleich zu Deutschland gab, und die vermeintlich "besser" waren *g*.

Auffällig waren bei An- und Abreise (und bei Reisen während dem Aufenthalt) aber die verstärkten Kontrollen "sichtbar" ausländischer Bürger. (Asiaten). Diese wurden im alltäglichen Umgang zwar (scheinbar, mir fiel da zumindest nichts auf) normal behandelt, an Flughafen, Buslinie etc. wurden sie jedoch ausnahmslos kontrolliert. (Ich z.B. nie). Dies mag jedoch eine Folge des 11. Septembers sein.

Folgen des 11. September 2001 Top

Hier beschreibe ich die Folgen des 11. Septembers, die mir aufgefallen sind. Gesprochen wurde über diesen Tag relativ wenig, das Thema wurde fast schon ein wenig gemieden.

Sichtbare Unterschiede von diesem Winter im Vergleich zum Vorjahr war zum Beispiel die deutliche Zunahme von amerikanischen Flaggen, Symbolen und Ähnlichem.

Fast jeder zweite Haushalt hatte irgendwo eine Flagge stehen. Sei es im Garten, auf dem Haus, auf dem Auto oder irgendwo im Fenster. Schon im Vorjahr waren diese im Vergleich zu uns sehr häufig. Nun aber allgegenwärtig.

Auch ein Großteil des weihnachtlichen (Lichter-)Schmuckes an den Häusern, zeichnete sich durch Blau-Rot-Weisse Farben aus. Dies war nach Aussagen der Gastfamilie bisher noch nie in diesem Ausmaß der Fall.

Auch die Artikel, die man kaufen konnte, zeichneten sich oft dadurch aus. Der Seeadler, ein amerikanisches Wappentier, war auf Tassen, T-Shirts, Bildern, Postern, Aufklebern, Autoschildern, etc. einfach überall zu finden. Dazu Sprüche wie "Don't mess with America", "God bless America", "United we stand" und ähnlichem. Hier stellte sich mir unwillkürlich die Frage, ob dies mehr patriotisch war, oder eine geschickte Ausnutzung der tragischen Ereignisse, um mit den Artikeln Geld zu machen.

In meiner Gastfamilie gar herrschte die Sorge, dass jeder der keine Flagge zeigt, sofort verdächtig wäre. Verdächtig im Sinne von: "Wenn Du nicht für Amerika bist, dann bist Du für Bin Laden."

So wie es scheinbar früher schon einmal Probleme gab (habe leider den Namen des "Politikers" vergessen, der das angezettelt hatte), wer nicht für die USA ist und Flagge zeigt, ist für die Kommunisten...

Hintergrund damals war ein Senator, der behauptete eine Liste zu haben, welche Senatoren mit den Kommunisten sympathisierten. Diese "Liste" wurde nie veröffentlicht, vermutlich gab es sie gar nicht... aber wer in irgendeiner Weise gegen den besagten Senator war, der musste schnell damit rechnen sich Gerüchten gegenüber zu sehen, dass er sich auf der Liste befinden würde und ein Kommunist ist.

Davor war meine Gastfamilie also besorgt. Dennoch zeigten sie keine Flagge, weder am noch im Haus oder Auto. Sie sagten, lieber zeigten sie ihre Einstellung in ihren Taten. Sie wären für Völkerverständigung (aber natürlich gegen die Terroristen, egal von wo sie kommen und wie sie heißen.) Vielleicht auch ein Grund, warum ich dort zu Gast war?

Unbegründet mag diese Sorge auch nicht sein. Wie bereits in "Die amerikanische Mentalität" berichtet, wird die weitläufige Meinung der meisten amerikanischen Bürger durch die Medien gebildet...

Aber auch die Sicherheitsvorkehrungen wurden landesweit verstärkt. "Wichtige" öffentliche Gebäude, wie das Capitol in Madison zum Beispiel, wurden so mit Betonblöcken umgeben, dass kein Auto mehr an (oder in) das Gebäude fahren konnte. Dies sollte als Schutz vor Autobomben dienen. Auf den Green Bay Packers (Football) Heimspielen zum Beispiel, war neben dem üblichen Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften auch die Armee anwesend. Welche mit Fußstreifen mit Maschinengewehren bewaffnet patrouillierten. Ebenso hatten sie einen kleinen Stützpunkt, vor dem drei Jeeps mit fest montierten Geschützen (Maschinengewehren) standen. In Green Bay sieht man das Stadion nämlich als ein sehr lohnendes Ziel für Angriffe. Nicht unbedingt aufgrund der Tatsache dass pro Heimspiel über 60.000 Zuschauer kommen (In Green Bay selbst wohnen ca. 100.000 Menschen), sondern auch weil es ein (wenn nicht "der") Traditionsverein mit Geschichte und USA-weiten Fans ist.

Mir erschien das ein wenig absurd, aber realistisch betrachtet dürfte jede größere Menschenansammlung (Veranstaltung) ein theoretisch lohnendes Ziel sein. Bleibt nur zu beten, dass hier nie wirklich etwas solches passiert.

Auch viel auf, dass in praktisch jedem Lokal, egal ob eines der zahlreichen Fast-Food oder in einem "richtigen" Restaurant Hinweise am Eingang zu finden waren, dass das Mitnehmen von Taschen, Rücksäcken etc. unerwünscht ist. Diese sollte man im Auto lassen oder notfalls am Eingang abgeben, bzw. durchsuchen lassen. Ins Kino zum Beispiel durfte ich meine Tasche nicht mitnehmen.

Ausweiskontrollen erschienen mir auch häufiger. Hatte ich letztes Jahr nur einmal meinen Ausweis beim Betreten einer Bar zeigen müssen (da Alkohol erst ab 21 erlaubt ist), so war dies nun fast überall der Fall.

Bei einer Reise mit einer Buslinie (Grayhound) von Madison nach Green Bay musste jede Tasche vorher "eingecheckt" werden. D.h. die Busfahrer hatten das Recht die Taschen zu durchsuchen. Außerdem musste ein Zettel angebracht werden, wem die Tasche gehört (mit genauer Adresse) und dem Ziel. Immerhin sollte dann nichts verloren gehen,...

Ohne diese Adresszettel und dem "Security Check" Aufkleber, wurde kein Gepäck mitgenommen.

Gefragt wurde ich von meinen Freunden und meiner Gastfamilie nach der Einreise zum Beispiel nach Einzelheiten über die Sicherheitsschecks an den europäischen Flughäfen. Während mein Bruder in Frankfurt zum Beispiel jeden Koffer öffnen musste, passierte ich in Paris nur den Metalldetektor und sonst keinerlei Kontrollen. (Vielleicht erschien in meinem Gepäck beim Durchleuchten auch einfach nichts verdächtig.) Mein Eindruck von Paris war, dass hier die Kontrollen am geringsten waren. Ich sah nämlich generell niemanden, dessen Koffer oder Rucksäcke durchsucht wurden. Das man zumindest aber nicht jeden fliegen lässt, konnte ich daran erkennen, dass ein Passagier nicht mitfliegen durfte, wodurch wir 25 Minuten Verspätung bekamen. (Nur einen Tag später, kaum in den USA ging dann durch alle Medien der Versuch eines Mannes, der Sprengstoff in seinem Schuh versteckt hatte, und dieses während dem Flug in die USA in der Maschine zünden wollte... da habe ich ja noch mal Glück gehabt, dass er nicht in meinem Flieger saß!)

Die Einreise in die Staaten verlief ohne Probleme. Ich musste keinen Zoll und keine doofen Fragen über mich ergehen lassen, lediglich meinen Ausweis zeigen, mitteilen wie lange, warum und wo ich mich aufhalten werde.

Bei der Abreise später, also in dem Fall in dem die Amerikaner die Sicherheitskontrollen durchführen, sah dies aber anders aus. Auf der Hinreise waren mir schon deutlich mehr Sicherheitskräfte, sowohl vom Flughafen, als auch von der Armee aufgefallen, auf der Rückreise dann noch deutlicher. Schon in Chicago musste jeder Zweite seine Koffer öffnen, im günstigen Fall zumindest sein Handgepäck. (Ich kam glücklicherweise mit der normalen Prozedur davon, d.h. Metalldetektor und sonst nichts.)

In New York dann war die Armee allgegenwärtig. Beim Check-In musste jeder, der irgendwie ausländisch wirkte (Asiatisch, bzw. "andere Haut") ausnahmslos Koffer, Handgepäck und Taschen öffnen. Dazu gab es extra Tische mit eigenen Sicherheitskräften. Neben dem üblichen Gang durch den Metalldetektor wurden auch viele per Hand noch einmal durchsucht. Da mein Flug über Frankfurt nach Bombay gehen sollte, waren viele Inder dabei. Sie wurden alle kontrolliert, standen teilweise ohne Schuhe bei den Kontrolleuren.

Sollte ein Koffer oder eine Tasche "herrenlos" im Flughafen sein, so wurde durch ein Spezialkommando sichergestellt, dass keine Bombe in dem Stück vorhanden war. (Was für den Besitzer, sollte er sich denn finden, sicher teuer wurde.) Auch behielt man sich das Recht vor, "herrenlose" Gepäckstücke zu beschlagnahmen.

Auch aus Gesprächen, sofern man sie halbwegs zustande bekam, wurde bestätigt, dass der Angriff auf das WTC ein Schlag gegen das Herz von Amerika war. Der Gegenschlag gegen Afghanistan sei vollkommen legitim, notfalls auch weitere Schritte in anderen Ländern. Die Tageszeitungen und Nachrichten waren voll von Neuigkeiten aus Afghanistan. "Nichts sei mehr, wie es einmal war. Alles sei nun anders." (Dies war die beliebteste Aussage, wenn man versuchte ein Gespräch über das Thema zu beginnen. Oftmals aber auch gleich das Ende der Diskussion.)

Das Bewusstsein der meisten Amerikaner hat sich verändert. Sie haben gesehen, dass sie verletzlich sind. Und sie versuchen alles, eine Wiederholung des Unglückes zu vermeiden. Hoffen wir, dass dies weltweit gelingen wird, und Terroristen keine neuen Wege (Gift(gas) sehe ich als ein sehr gefährliches Risiko) finden werden, Hass, Tod und Zerstörung zu verbreiten. Egal wo, ob bei uns in Deutschland, in Europa oder Amerika, oder irgendwo sonst auf der Welt. Ein wenig Mitfühlen mit den Menschen in Irland, Israel oder New York, dass kann wohl nun jeder, denn eine wirkliche 100% Sicherheit gibt es leider Gottes nicht.

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