Mein Tagebuch

06. Oktober 2000
07. Oktober 2000
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Freitag, 06. Oktober 2000 Top
 
Der Freitag begann dann doch eher etwas stressiger. Ich hatte zwar meinen freien Tag, aber Joe und seine Freundin mussten natürlich wieder zur Uni gehen. Amy um 9 Uhr und Joe um 10 Uhr.
So kam es, dass wir um halb neun aufgestanden sind und uns im Badezimmer versucht haben frisch zu machen. Die beiden sahen ziemlich zerknittert aus, und ich gehe mal davon aus, dass ich auch nicht gerade den Spitznamen "Sunshine" an diesem Morgen verdient hätte.
So brachten wir Amy nach Hause, wo sie in ihr eigenes Auto umstieg und weiterbrauste. Joe brachte mich dann heim und erzählte etwas davon, dass er nur im 10 in die Uni müsste da der Rest ausfallen würde und fragte mich ob ich nicht Lust hätte "Ultimate Frisbee" zu spielen. In einem Anfall geistiger Umnachtung (Ich war eigentlich noch immer todmüde, hatte ja nur 4 Stunden geschlafen) stimmte ich dem ganzen zu und wir verabredeten uns auf Noon. (12 Uhr).
Ich checkte in der leeren Bude (alle waren ja arbeiten) kurz meine Emails, verhalf dem Hund zur Erleichterung (ich ließ ihn in den Garten) und legte mich dann hin. Richtig geschlafen hatte ich aber nicht und gegen 12 rief mich Joe an, dass er in ca. 20 Minuten da wäre.
In der Zwischenzeit befreite ich meine Schuhe von der Zimmerdecke und überlegte welchen Streich ich Ben dafür heute spielen könnte.
Wie es sich herausstellte hatte Joe den Unterricht heute ganz "ausfallen lassen" und bis 12 geschlafen. Wir sind dann erst mal zu "Storheims" Mittagessen gegangen und beschlossen dann spontan aufgrund des sehr windigen Wetters zu shopen. So düsten wir durch eine riesige (für Ami-Verhältnisse winzige) Einkaufszone und verbummelten einen Haufen Zeit.
Im Anschluss besuchten wir eine alte Freundin von Joe. Wir schmissen sie gegen 14 Uhr aus dem Bett (auch sie war in "The Bar" gewesen...). Ich erlebte einen chaotischen Nachmittag, denn die Familie (alleinstehende Mutter mit 2 Töchtern) erinnerte mich irgendwie an eine amerikanische Fernsehserie. Für Joe war es hier das 2te zu Hause und er nannte die Mutter seiner Freundin auch "Mom".
Er alberte hier wohl schon seit Jahren rum, wie alte Fotos bewiesen. Die Frau war übrigens 48, sah aber ehrlich aus wie 25. Ich hätte sie fast mit ihrer Tochter verwechselt...(diese ist echt amerikanisch nämlich ein wenig molliger :o)
Später, gegen 5 fuhr mich Joe dann wieder nach Hause, da er im Kino arbeiten musste.
Ich war gerade mit Essen fertig und hatte begonnen Ben's Zimmer komplett mit Klopapier einzubauen (ist eine amerikanische Tradition hier, mehr dazu an anderer Stelle), als mich Chrisi, die Freundin von Joe, zum Kino einlud.
So kam es, dass ich den Abend mit Ihr im Kino verbrachte und dort meinen Spaß hatte.
Später zu Hause kam dann gegen 11 Uhr Ben mit 5 Mädels!!! (Hätte ich von IHM nie erwartet :o). Eine davon war Austauschschülerin aus Deutschland. Nachdem sich Ben von seinem Klopapier-Schock aus seinem Zimmer erholt hatte (unter allgemeinem Gelaechter der Mädels), spielten wir für den Rest des Abends "Pictionary", das ist so eine Art Montagsmaler. Das ganze ging laaaange, so dass ich mich gegen 2 Uhr von den fünf Mädels verabschiedete, da ich am kommenden Morgen früh raus musste.
Dem Lärm nach ging es unten aber noch eine Weile rund...
 
Samstag, 07. Oktober 2000 Top
 

Samstag, Door County. Kalt, Sturm, und Schnee, aber grandiose Landschaften!

 
Sonntag, 08. Oktober 2000 Top
 

Sonntag, POWER OFF in DOWNTOWN CHICAGO. Eine Großstadt ohne Strom und ich mittendrinnen!

 
Montag, 09. Oktober 2000 Top
 

Montag, Madison
Na ja, im Nachhinein betrachtet fand ich den Tag eher langweilig. Früh Morgens brachen wir aus unserem Hotel in Madison auf und fuhren zum Regierungssitz.
Dort trafen wir um 9 Uhr eine Delegation aus Hessen, mit Leuten aus der Wirtschaft (VW) und verschiedenen Schulen. Auch unsere Englischlehrerin (Melanie Back) war dabei.
Wir bekamen eine Führung durch das Regierungsgebäude (echt beeindruckend) und kleine Anekdoten zu den einzelnen Räumen erzählt.
Beispielsweise gab es da einen ausgestopften Adler, mit einem Orden. Die Geschichte dazu lautet, dass der Adler im Krieg als Kundschafter eingesetzt wurde und dafür einen Orden bekam. Später starb er im Keller eines Regierungsgebäudes an den Dämpfen eines Reinigungsmittels, als dort renoviert wurde,....
Die gesamte Ausstattung war sehr prunkvoll mit viel echtem Gold. Alles in allem sehr beeindruckend, für Fotos aber meistens nicht so attraktiv, da fast überall gerade renoviert wurde.
Im Anschluss an das Capitol von Madison fuhren wir in das College, wo alle Würdenträger begrüßt wurden und eine Menge Reden gehalten wurden. (gähn). Als Abschluss gab es eine Führung durch das College und die Firma Cisco, die mit diesem zusammenarbeitet.
Danach machten wir uns auf die 2 1/2 Stunden dauernde Rückfahrt.
Am Abend durfte ich dann noch meinen Rucksack von 55.000 Kilo Tesafilm befreien, Ben's Antwort auf das Klopapier. Aber ich habe da auch schon wieder eine Idee,....

 
Dienstag, 10. Oktober 2000 Top
 
Dienstag, Präsentationen in der Schule halten, Networking mit Larry Huber und Abendessen mit der "Hessen Delegation in Appelton." Wir wurden hier ins englische Kreuzfeuer genommen, aber wir waren auch mit der Kritik nicht sparsam,...
 
Mittwoch, 11. Oktober 2000 Top
 
Mittwoch, Golf am Vormittag, dann Lunch mit einer anderen "Hessen Delegation" im College. Anschließend große Einkaufstour für ca. 20 Mann mit fleißigem Kochen (3 Stunden lang) für die Hostfamilien und andere gute Freunde. Ich denke es war ein voller Erfolg und das Kartenspiel "SPOON" wird sicher auch in Deutschland für eine Menge Spaß sorgen.
 
Donnerstag, 12. Oktober 2000 Top
Donnerstag, vorletzter Tag (heul). Stundenplantechnisch gab es heute nicht sooo viel. Ich musste auch erst um 11 Uhr im College sein. Wir hatten erneut ein Lunch mit einer deutschen Delegation und anschließend eine kleine Besprechung mit Dick Hopfensberger und anderen Mitarbeitern des College die uns noch einen Teil ihrer Planung (Netzwerk und Technik) für die kommenden Jahre zeigten. (Vermutlich wollen sie uns anwerben, dass sie noch Computerspezialisten brauchen, ließen sie mehrmals durchblicken).
Anschließend besuchten wir mit der Klasse von Larry Huber (ein klasse Lehrer) die Firma "Schneider National". Eines (wenn nicht DAS) größte Transportunternehmen in den Staaten. Die dort verwendete Technik für die Logistik war beeindruckend. Ich glaube ich habe noch nie so viele, so teure und leistungsstarke Rechensysteme auf einem Haufen gesehen. (Deswegen durfte man leider auch keine Bilder machen).
Wenn ich nur 1% des Jahresbudgets dieser Computerabteilung bekommen würde, bräuchte ich nicht mehr zu arbeiten... Allein die Software für einen der verwendeten Server kostet ca. 1 Millionen Dollar. Beeindruckend!
Am Abend gingen wir dann erneut ins "Jillians", spielten Billard und Bowling und hatten Spaß, wenn auch meine Stimmung aufgrund der baldigen Abreise recht getrübt war. Außerdem hatte ich Halsschmerzen... Gegen 1 Uhr AM war ich dann zu Hause und ging erst mal schlafen.
  
Freitag, 13. Oktober 2000 Top
 
Freitag, der letzte Tag. Es tut richtig weh, wenn man daran denkt all die netten Leute (und seine Hostfamilien) zu verlassen. Ich denke ich habe hier, nicht nur in Joe und Ben (den beiden Schoenebeck Söhnen) gute Freunde getroffen. Und die Entfernung ist groß, so dass man sich wahrscheinlich so schnell nicht wieder sehen wird. Das ist ein Grund, der den Schmerz nicht gerade lindert.
In der Schule gab es nur noch eine Klasse, wir besuchten Larry und unterhielten uns über Deutschland und die USA, die verwendeten Techniken und allgemeine Fragen rund um die beiden Kulturen. 
Anschließend trafen wir viele Lehrer zu einem Abschlussessen. Nach diesem Lunch gab es das "Exit Interview", wo wir alles erzählen konnten was uns besonders gut gefallen hatte, oder was man eventuell besser machen könnte.
Es war einfach eine großartige Zeit!
Nach dem Interview ging es nach Hause, wo es einen kurzen Fototermin gab und ich anschließend mit Joe und Chrisi auf eine kleine Geburtstagsfeier ging. Dort blieb ich auch bis 9 PM, dann ging es zurück nach Hause, wo ich mich noch ein wenig mit Mike und Jan unterhalten wollte. Gegen 11PM kam dann Ben nach Hause und wir besuchten ein "Haunted House" das gerade heute den ersten Tag geöffnet hatte. Diese Haunted Houses sind eine kleine amerikanische Tradition zu Halloween. Man baut ein Spukschloss auf, durch das dann die Besucher im Dunklen wandern müssen, während Schauspieler (Schüler) mit Masken und Kostümen (SUPERTEILE! Sahen so echt aus wie im besten Horrorfilm im Kino!) versuchen die Besucher zu erschrecken.
Das Haus das ich mit Ben besuchte war angeblich eines der besten. (Das ist auch gut möglich *g*).
Wir mussten an einem Bahnhof ein Zugticket kaufen und stiegen dann in eine alte Wildwestbahn. Überall waren Spinnenweben (schauder) und der Zug sah aus wie in einem Horrorfilm. Als die Fahr losging (wir fuhren echt durch die Gegend, nix mit Effekten!) passierten allerlei lustige Dinge. Untote liefen durch den Zug, überall kam Rauch aus dem Wagon und draußen geschahen furchtbare Dinge! (Autocrash, Beinahezusammenstösse mit anderen Zügen, Schiessereien etc.) Und alles war super in Szene gesetzt!
Mit einem Rums (Zusammenstoss) endete dann die Zugfahrt und wir waren mitten in der Prärie und musste durch das Haus um zum Ausgang zu gelangen.
In den Fenstern tanzten Zombies und es dröhnte Rockmusik überall herum. Klasse gemacht, kann mich da nur wiederholen. (Leider darf man keine Bilder machen und die Kameras werden in Verwahrung genommen.)
Im Haus selbst war es besser als in jedem vergleichbaren deutschen Spuckschloss oder Geisterbahn die ich kenne. Es war stockdunkel, nur verschiedene Stroboskoplampen erzeugten ein schaurigschönes Blitzlicht und sorgten erneut für super Effekte.
Ständig sprangen Dinge oder Monster und lautem Geschrei aus den Wänden und aus Nischen, man begegnete Untoten aller Art, Henkern, Vampiren, Hexen und sonstigen Monstern. Ein einmaliges Erlebnis!!! Auch Spiegelkabinette oder dieser Gang durch eine sich drehende, flureszierende Trommel waren dabei. In der Trommel steht man immer auf einem festen Steg, aber die menschlichen Sinne werden derart gestört, dass man meint der Boden dreht und kippt sich. Dementsprechend schräg läuft man und kämpft um sein Gleichgewicht. Und obwohl man genau weiß, dass alles nur Illusion ist, kann man sich nicht dagegen wehren. (Man könnte die Augen schließen, aber dann hat man ja keinen Spaß mehr).
Kurzum ich war restlos begeistern und möchte die amerikanische Halloween Tradition auch in Deutschland haben!
Nach diesem Abenteuer fuhren wir heim und spielten noch eine Stunde Tischtennis im Keller, das Final Match sozusagen. Anschließend redeten wir noch eine weitere Stunde und um 3 Uhr ging es dann zu Bett. (Nachdem ich natürlich wieder einen Streich für Ben eingebaut hatte. Mein Radiowecker übernachtete heute nämlich unter seinem Bett, mit voller Lautstärke bereit um 6 Uhr zu starten. (15 Minuten bevor Ben normalerweise hätte ausstehen müssen.)
Leider verpasste ich seine Begeisterung an diesem Morgen, da ich entgegen meiner üblichen Schlafgewohnheiten nicht aufwachte. (Na ja, nach 4 bis 5 Stunden Schlaf in den letzten Nächten nicht so ungewöhnlich.)
 
Samstag, 14. Oktober 2000 Top

Samstag, Tag der Abreise (heul)
Tja, als ich aufwachte war es ca. 7 Uhr (also 4 Stunden Schlaf) und Ben war bereits zu seinem Konzert unterwegs. Allerdings hatte er sich für den Wecker revanchiert und ich fand nun meinerseits (wie er ein paar Tage zuvor) eine nette gekritzelte Nachricht auf meinem Gesicht. Ich hätte schwören können, dass ich bei so was normalerweise aufwache... Na ja. So hatte Ben wenigstens noch seinen Spaß. Damit er aber nicht den letzten Punkt in unserem "Privatkrieg" auf seiner Seite hatte, schleppte ich seine 30 Kilo wiegende Matratze aus seinem Zimmer im ersten Stock in den Keller. Ja, runter das geht leicht, rauf wohl nicht mehr so gut,...hehe.
Und nun sitze ich hier, schreibe die letzten Tage und wünschte ich könnte noch 1 oder 2 weitere Wochen bleiben.
Ich möchte noch nicht gehen, schon gar nicht fliegen. (Ich hasse Fliegen... Flugangst).
Ich hoffe nur wirklich, dass sowohl die Familie Hathaway, als auch Schoenebeck uns in Deutschland mal besuchen kommt. (Sommer 2001?). Eingeladen sind sie auf alle Fälle, und ich würde mich riesig freuen. Ebenfalls habe ich die Söhne (Ben-18- & Joe-22- Schoenebeck, sowie Nathan Hathaway-20-) eingeladen mich in Deutschland für ein paar Wochen zu besuchen, falls es nicht für die ganze Familie möglich ist zu uns zu kommen. Hoffentlich klappt das, das wäre echt super!
Nun breche ich auf, zu einem letzten Spaziergang. Die Sonne scheint und ich kann vielleicht noch ein paar Bilder der Herbstbäume machen, bevor ich in einer Stunde zum Flughafen fahren muss.
Mehr dann am Sonntag Abend deutscher Zeit, wenn ich wieder zu Hause bin.

Rene "Mark" Feierabend

 

...to be continued...

Ich bin gerade die fehlenden Tage anhand meiner Notizen und meines Gedächtnisses am Nachschreiben. Nur Geduld, fast täglich füllen sich hier die Lücken :o)